Let Fame
(Part 2)
Das Phem.
Hiebei würden eine Neuerstehung des griechischen Sinnbildes Pheme, des Geistes beziehungsweise der Verkörperung von Ruhm (römisches Pendant: Fama) und das von Richard Dawkins vorgeschlagene
Mem vereint (besucht doch seine Webseite – schönes Plätzchen, intellektuell stimulierend ohne aufwiegelnd zu sein, und man kann ein cooles Atheisten A T-Shirt erstehen). Das Phem ƒ sei das Gen der Prominenz, die Grundeinheit von Ruhm; seine einzige Funktion besteht darin, den als Wirt dienenden Massen
m eine gegebene berühmte Persönlichkeit
x gewahr zu machen, und sich auf diese Weise zu replizieren. Das Phem x, ƒ(x) verlangt nicht, dass Ihr
x mögt, sie respektiert, verehrt oder vielleicht viel über sie wisst, sondern nur, dass Ihr Euch derer ausreichend gewahr seid, um das Phem in irgendeiner Art und Weise weiter zu tragen. Ich würde vielmehr noch nahe legen, dass eine negative Haltung gegenüber
x die Verbreitung des Phems sogar noch verstärkt. Der Ruhm Jemandes, der mit Verachtung geschlagen ist, oder den man mit der Hand in der Kasse, dem Strohhalm in der Nase oder seinem Pimmel in einer unziemlichen Körperöffnung erwischt, verbreitet sich rascher als der Ruhm Jemandes, der etwas Nützliches erfunden oder etwas Schönes kreiert hat. Interessanterweise ist für das kollektive Unbewusste der Griechen (typischerweise ebenso weise, poetisch und aufschlussreich wie ihre Bewusstseinsphilosophie) Pheme die Personifizierung von Klatsch mit zahlreichen Zungen, eher so wie Rumor unter den Allegorien im England des 16. und 17. Jahrhunderts. Denn ein Phem wird durch Sprache weiter verbreitet, oder zutreffender, durch schriftliche oder verbale Äußerung. Ich überlasse die mathematische Modelldarstellung und Notation helleren Köpfen als dem meinigen, bezweifle allerdings keineswegs, dass irgendeine deskriptive Formel hervorgebracht werden kann, die uns erkennen lässt, wie Pheme im Laufe der Zeit und über Bevölkerungen hinweg wirken.
Weitere Merkmale des Ruhms.
Als gute Metapher für Ruhm bietet sich das Vergrößerungsglas. Es vergrößert (wie der Name schon besagt) sowohl Makel als auch Qualitäten. Mitesser und unreine Poren sind für alle gut sichtbar. Wie ein Vergrößerungsglas ist Ruhm in der Lage zu verzerren, auf den Kopf zu stellen und (durch den von hinten einfallenden Schein der allgemeinen Bekanntheit) das Licht zu einem schrecklichen Hitzestrahl zu fokussieren, der die Person bis zum Nichts schrumpeln lässt.
Bei manchen Berufen entsteht Ruhm nebenbei, als Zufallsprodukt, als „Beliebtheitsmesser“. Wenn Du ein exzellenter Cricket-Spieler bist, einer der Weltklasse, dann könnten bis zu zwei Milliarden Leute wissen, wer Du bist. Sogar noch mehr, wenn Du erfolgreicher Fußballer bist. Maximal eine Viertel Milliarde wird Dich kennen, wenn Du beim
Amerikanischen Football Erfolge verzeichnest, jedoch werden Dich mindestens 5 Milliarden kennen, wenn Du ein Amerikanischer Fußballer bist, der des Mordes an seiner Frau und deren Liebhaber beschuldigt wird. Das OJ Simpson-Phem hat sich tief in uns allen eingenistet und wird vermutlich auch noch für lange Zeit im Umlauf bleiben. Allerdings dachte dies die Gesellschaft auch über den Roscoe „Fatty“ Arbuckle-Skandal, der heutzutage zwar vielleicht kein unbedeutendes Randereignis, aber doch sicherlich nicht gerade die
Cause célèbre des Jahrhunderts darstellt, obwohl dieser Fall seinerzeit erschütternde Berühmtheit erlangte.
Bei Buchautoren, Liedersängern, Filmschauspielern, Nachrichtensprechern etc., etc. stellt sich aufgrund des Publikumserfolgs in diesen Bereichen die Berühmtheit ebenso sicher ein wie bei Minenarbeitern der Husten. Wenn du in ausreichend beeindruckendem Ausmaße Leute ermordest, entweder als Einzelperson oder als politischer Führer, wird dein Name ebenfalls in aller Munde sein. Dass Ruhm nichts mit der
Qualität deiner Leistung zu tun hat, versteht sich von selbst. Dan Soundso, der Sakrament oder wie immer das hieß, schrieb, ist zwar jetzt ziemlich bekannt, jedoch wird man ihn in fünfzig Jahre genauso wenig kennen wie Rafael Sabatini oder James Hilton (die allerdings mehr Ruhm verdienen als er es jemals tat). Tim Berners-Lee mag weniger bekannt sein als Bernard Lee („M“ in den frühen Bond-Filmen), dies könnte sich jedoch in Zukunft genau umkehren. Und so weiter.
Allerdings sind Dan Dingsbums und sein grotesk schauderhaftes Sakra-Buch für unser Thema sehr wohl von Relevanz. Normalerweise halte ich es mit jedem Bestseller-Roman, wie mickrig er auch sein mag, länger aus als mit dem seinigen. Aber ich wusste in seinem Fall beim
allerersten Wort, dass es sich hier um einen Schreiberling von Null Interesse, Null Einblick, Null Verstand, Null Verständnis und Null Fähigkeit handelte. Ein Stümper von imposanter Inkompetenz. Das erste Wort, man mag es kaum glauben, lautet „renommiert“. „Der renommierte Symbologe Henry Titfeather...“ oder so ähnlicher Schmus ist die Einleitung zu diesem grauenhaften Buch. Wie kann man jemandem auch nur
ansatzmäßig beibringen, dass man eine fiktive Geschichte nicht damit beginnt, seinen Lesern zu erzählen, dass eine Person „renommiert“ ist? Man
zeigt es, aber man sagt es nicht.
Von Lord Reith, dem Gründer der BBC, wird erzählt, dass er ein erzürntes Memo auf seine Belegschaft losjagte, nachdem in einer Sendung irgendjemand als „der berühmte Anwalt“ beschrieben wurde. Das Memo lautete wie folgt: „Das Wort BERÜHMT. Falls eine Person berühmt ist, so erübrigt es sich, darauf hinzuweisen, falls sie es nicht ist, dann handelt es sich um eine Lüge. Das Wort ist innerhalb der BBC nicht zu verwenden.“ SO verklickert man das den Leuten, als guter Schotte.