Topic RSS | Reply to topic
Author Post

Gertrude Susanne


Member

Posted Fri Mar 28th, 2008 1:58pm Post subject: Translating Fry
Soupy, I´ve just realised that "Let Fame" has disappeared from the Blogs Site

For a milli-second I thought it had something to do with our little exercise here, but that can´t be the case surely...

probably some system-inherent algorithm that deletes blog entries after six months - I wonder whether this is what Mr Fry had in mind

I just loved this one photograph of the sunset embedded in one of his blogs - sooo beautiful - and now it´s gone :'( :'( :'(

Back to top

Soupy Twist


Member

Posted Sat Mar 29th, 2008 2:26pm Post subject: Translating Fry
Gerti I bear good tidings: I just checked the site - it's not gone, it's for some reason just not listed in the left-hand menue. In Categories / Blessays all blessays are shown, scroll down, and "Let Fame" is right under "I Give Up"
I also wanted to apologise for my mega-late response to your kind remarks regarding my translation :-// :-// :-// Ooh, what a good team for Fry-translations we would be!
What with your holiday and overall busy schedule, how about a shorter section this time? How about from "The Pheme" to "Scottish guy" by the end of April?

Back to top

Gertrude Susanne


Member

Posted Sat Mar 29th, 2008 3:03pm Post subject: Translating Fry
I am such an idiot, and a blind one to boot ... you´re absolutely right, Soupy, oh I´m glad it´s still there

Yes, excellent idea, let´s go for a shorter section, but I´ll submit mine by mid-April, if you don´t mind...

Ooh, what a good team for Fry-translations we would be!

Indeed *sigh*

Back to top

Gertrude Susanne


Member

Posted Sun Apr 13th, 2008 2:39pm Post subject: Translating Fry
Let Fame
(Part 2)

Das Phem.

Hiebei würden eine Neuerstehung des griechischen Sinnbildes Pheme, des Geistes beziehungsweise der Verkörperung von Ruhm (römisches Pendant: Fama) und das von Richard Dawkins vorgeschlagene Mem vereint (besucht doch seine Webseite – schönes Plätzchen, intellektuell stimulierend ohne aufwiegelnd zu sein, und man kann ein cooles Atheisten A T-Shirt erstehen). Das Phem ƒ sei das Gen der Prominenz, die Grundeinheit von Ruhm; seine einzige Funktion besteht darin, den als Wirt dienenden Massen m eine gegebene berühmte Persönlichkeit x gewahr zu machen, und sich auf diese Weise zu replizieren. Das Phem x, ƒ(x) verlangt nicht, dass Ihr x mögt, sie respektiert, verehrt oder vielleicht viel über sie wisst, sondern nur, dass Ihr Euch derer ausreichend gewahr seid, um das Phem in irgendeiner Art und Weise weiter zu tragen. Ich würde vielmehr noch nahe legen, dass eine negative Haltung gegenüber x die Verbreitung des Phems sogar noch verstärkt. Der Ruhm Jemandes, der mit Verachtung geschlagen ist, oder den man mit der Hand in der Kasse, dem Strohhalm in der Nase oder seinem Pimmel in einer unziemlichen Körperöffnung erwischt, verbreitet sich rascher als der Ruhm Jemandes, der etwas Nützliches erfunden oder etwas Schönes kreiert hat. Interessanterweise ist für das kollektive Unbewusste der Griechen (typischerweise ebenso weise, poetisch und aufschlussreich wie ihre Bewusstseinsphilosophie) Pheme die Personifizierung von Klatsch mit zahlreichen Zungen, eher so wie Rumor unter den Allegorien im England des 16. und 17. Jahrhunderts. Denn ein Phem wird durch Sprache weiter verbreitet, oder zutreffender, durch schriftliche oder verbale Äußerung. Ich überlasse die mathematische Modelldarstellung und Notation helleren Köpfen als dem meinigen, bezweifle allerdings keineswegs, dass irgendeine deskriptive Formel hervorgebracht werden kann, die uns erkennen lässt, wie Pheme im Laufe der Zeit und über Bevölkerungen hinweg wirken.

Weitere Merkmale des Ruhms.

Als gute Metapher für Ruhm bietet sich das Vergrößerungsglas. Es vergrößert (wie der Name schon besagt) sowohl Makel als auch Qualitäten. Mitesser und unreine Poren sind für alle gut sichtbar. Wie ein Vergrößerungsglas ist Ruhm in der Lage zu verzerren, auf den Kopf zu stellen und (durch den von hinten einfallenden Schein der allgemeinen Bekanntheit) das Licht zu einem schrecklichen Hitzestrahl zu fokussieren, der die Person bis zum Nichts schrumpeln lässt.

Bei manchen Berufen entsteht Ruhm nebenbei, als Zufallsprodukt, als „Beliebtheitsmesser“. Wenn Du ein exzellenter Cricket-Spieler bist, einer der Weltklasse, dann könnten bis zu zwei Milliarden Leute wissen, wer Du bist. Sogar noch mehr, wenn Du erfolgreicher Fußballer bist. Maximal eine Viertel Milliarde wird Dich kennen, wenn Du beim Amerikanischen Football Erfolge verzeichnest, jedoch werden Dich mindestens 5 Milliarden kennen, wenn Du ein Amerikanischer Fußballer bist, der des Mordes an seiner Frau und deren Liebhaber beschuldigt wird. Das OJ Simpson-Phem hat sich tief in uns allen eingenistet und wird vermutlich auch noch für lange Zeit im Umlauf bleiben. Allerdings dachte dies die Gesellschaft auch über den Roscoe „Fatty“ Arbuckle-Skandal, der heutzutage zwar vielleicht kein unbedeutendes Randereignis, aber doch sicherlich nicht gerade die Cause célèbre des Jahrhunderts darstellt, obwohl dieser Fall seinerzeit erschütternde Berühmtheit erlangte.

Bei Buchautoren, Liedersängern, Filmschauspielern, Nachrichtensprechern etc., etc. stellt sich aufgrund des Publikumserfolgs in diesen Bereichen die Berühmtheit ebenso sicher ein wie bei Minenarbeitern der Husten. Wenn du in ausreichend beeindruckendem Ausmaße Leute ermordest, entweder als Einzelperson oder als politischer Führer, wird dein Name ebenfalls in aller Munde sein. Dass Ruhm nichts mit der Qualität deiner Leistung zu tun hat, versteht sich von selbst. Dan Soundso, der Sakrament oder wie immer das hieß, schrieb, ist zwar jetzt ziemlich bekannt, jedoch wird man ihn in fünfzig Jahre genauso wenig kennen wie Rafael Sabatini oder James Hilton (die allerdings mehr Ruhm verdienen als er es jemals tat). Tim Berners-Lee mag weniger bekannt sein als Bernard Lee („M“ in den frühen Bond-Filmen), dies könnte sich jedoch in Zukunft genau umkehren. Und so weiter.

Allerdings sind Dan Dingsbums und sein grotesk schauderhaftes Sakra-Buch für unser Thema sehr wohl von Relevanz. Normalerweise halte ich es mit jedem Bestseller-Roman, wie mickrig er auch sein mag, länger aus als mit dem seinigen. Aber ich wusste in seinem Fall beim allerersten Wort, dass es sich hier um einen Schreiberling von Null Interesse, Null Einblick, Null Verstand, Null Verständnis und Null Fähigkeit handelte. Ein Stümper von imposanter Inkompetenz. Das erste Wort, man mag es kaum glauben, lautet „renommiert“. „Der renommierte Symbologe Henry Titfeather...“ oder so ähnlicher Schmus ist die Einleitung zu diesem grauenhaften Buch. Wie kann man jemandem auch nur ansatzmäßig beibringen, dass man eine fiktive Geschichte nicht damit beginnt, seinen Lesern zu erzählen, dass eine Person „renommiert“ ist? Man zeigt es, aber man sagt es nicht.

Von Lord Reith, dem Gründer der BBC, wird erzählt, dass er ein erzürntes Memo auf seine Belegschaft losjagte, nachdem in einer Sendung irgendjemand als „der berühmte Anwalt“ beschrieben wurde. Das Memo lautete wie folgt: „Das Wort BERÜHMT. Falls eine Person berühmt ist, so erübrigt es sich, darauf hinzuweisen, falls sie es nicht ist, dann handelt es sich um eine Lüge. Das Wort ist innerhalb der BBC nicht zu verwenden.“ SO verklickert man das den Leuten, als guter Schotte.

Back to top

fryfan20


Member

Posted Wed Apr 16th, 2008 7:02pm Post subject: Translating Fry
i have read the liar(de leugenaar) in dutch and it was verry good, i do want to read the origanal just to see if it is better i have also read the translation of making history (geschiedenis maken) that one was also verry good

I am what I am

Back to top

Soupy Twist


Member

Posted Thu May 1st, 2008 6:01pm Post subject: Translating Fry
Sorry for keeping you waiting, Gerti :-// Here is my translation of part 2 of Let Fame:

Das Phem

Das Wort kombiniert die Wiederbelebung des griechischen Phems, dem Geist oder der Verkörperung von Ruhm (das römische Äquivalent wäre die Fama), und das Mem, wie es Richard Dawkins vorschlägt (besucht mal seine Webseite - ein toller Ort, intellektuell stimulierend, aber ohne Streitereien, ihr könnt auch ein cooles Atheisten-T-Shirt dort kaufen). Definieren wir das Phem f als Ruhm-Gen, die Grundeinheit von Ruhm. Es dient allein dazu, sich selbst zu replizieren, indem es das Wissen um eine bestimmte berühmte Person x in die Gedanken der Massen m pflanzt. Das Phem von x, f(x), verlangt nicht, dass man x mag, respektiert, bewundert oder überhaupt viel von ihm / ihr weiß, nur dass man seiner bewusst genug ist, um das Phem auf irgendeine Weise weiterzugeben. In der Tat würde ich sogar behaupten wollen, dass eine negative Einstellung zu x das Phem sogar mit größerer Kraft überträgt. Der Ruhm von jemandem, den man geringschätzt, oder der mit der Hand in der Kasse oder einem Strohhalm in der Nase oder mit seinem Schwanz in einer unangemessen fleischlichen Körperöffnung erwischt wird, überträgt sich schneller als der Ruhm von jemandem, der etwas Nützliches erfunden oder etwas Schönes erschaffen hat. Interessanterweise personifiziert das kollektive Unterbewusstsein der Griechen (das typischerweise genauso weise, poetisch und erkenntnisreich ist wie ihre bewusste Philosophie) Pheme mit vielzüngigem Klatsch, etwa so wie das Gerücht in den englischen Allegorien des 16. und 17. Jahrhunderten. Denn ein Phem wird durch Sprache weitergetragen, oder genauer, durch Äußerung, sei sie geschrieben oder gesprochen. Ich überlasse das mathematische Modell und seine Darstellung nun klügeren Köpfen als meinem, aber ich zweifle nicht daran, dass man eine deskriptive Formel herleiten kann, die uns Einblick zu gewähren vermag, wie Pheme durch die Zeit und über die Völker hinweg ihre Wirkung entfalten.

Weitere Charakteristika von Ruhm

Eine gute Metapher für Ruhm ist das Vergrößerungsglas. Es vergrößert (das sagt schon der Name) und deckt Schwächen genauso auf wie Stärken. Die Mitesser und schmutzigen Poren sind für jedermann gut zu erkennen. Wie eine Lupe kann der Ruhm verzerren, auf den Kopf stellen und (mit dem von hinten einfallenden Blick der Öffentlichkeit) das Licht zu einem schrecklichen Hitzestrahl bündeln, der den Gegenstand verbrennt, bis er zu einem Nichts verschrumpelt ist.
In einigen Berufen ist Ruhm ein Nebenprodukt, etwas Zufälliges, eine "Methode, die Punktzahl anzuschreiben". Ist man ein brillianter Cricket-Spieler, einer der besten der Welt, dann kennen einen vielleicht 2 Milliarden Menschen. Noch mehr, wenn man ein erfolgreicher Fußballer ist. Bestenfalls eine Viertelmilliarde Menschen kennt einen, wenn man ein erfolgreicher American Football Spieler ist, aber mindestens 5 Milliarden kennen einen, wenn man ein American Football Spieler ist, der des Mordes an seiner Frau und ihres Liebhabers angeklagt ist. Das OJ - Phem hat sich tief in uns eingegraben und wird, so steht zu vermuten, noch lange Zeit im Umlauf bleiben. Indes, so dachte die Gesellschaft auch vom Skandal um Roscoe 'Fatty' Arbuckle, der nun, wenn nicht eine abseitige Fußnote, sicherlich bei weitem nicht die cause célèbre des Jahrhunderts geworden ist, trotz seiner damaligen weitreichenden Bekanntheit.
Schreibt man Bücher, singt Lieder, spielt in Filmen, spricht die Nachrichten etc. etc., dann kommt der Ruhm als Folge weitverbreiteten Erfolges in diesen Bereichen so sicher, wie der Husten einen Bergarbeiter befällt. Wer Menschen in ausreichend beeindruckender Manier ermordet, entweder als Einzelperson oder als Staatsmann, dessen Name verbreitet sich auf diese Weise genauso. Selbstredend hat Ruhm nichts mit der Qualität des Erreichten zu tun. Dan Dingsbums, der den Leonardo Code oder was auch immer geschrieben hat, ist heute sehr bekannt, wird aber in 50 Jahren genauso unbekannt sein wie Rafael Sabatini oder James Hilton (obwohl diese mehr Ruhm verdienen als er). Tim Berners-Lee kennt man wahrscheinlich weniger als Bernard Lee (M in den frühen Bond-Filmen), in der Zukunft wird aber wohl das Gegenteil der Fall sein. Und so weiter.
Dan Wieauchimmer und sein geradezu grotesk schlechtes Leonardo-Buch ist für unser Thema freilich von Bedeutung. Normalerweise verbleibe ich bei jedem Bestsellerroman, wie schlecht auch immer er sein mag, länger als ich es bei seinem getan habe. In seinem Fall wusste ich aber vom allerersten Wort an, dass ich es hier mit einem völlig uninteressanten Schriftsteller ohne jegliches Verständnis, Scharfsinn, Intellekt oder Talent zu tun habe. Ein Tölpel von monumentaler Unfähigkeit. Das erste Wort, ist es zu glauben, ist "der angesehehe". "Der namhafte Symbologe Henry Titfeather..." oder irgendein ähnliches Gewäsch, so fängt dieses grauenvolle Buch an. Wie fängt man überhaupt an, jemandem zu erklären, dass man einen Roman nicht damit einleitet, den Lesern zu erzählen, jemand sei "namhaft"? Man sagt es nicht, man zeigt es.
Lord Reith, der Gründer der BBC, soll der Legende nach nach einer Sendung, in der jemand als "der berühmte Anwalt" beschrieben wurde, ein verärgertes Memo an seine Redaktion herausgefeuert haben. Dieses las sich ungefähr so: 'Das Wort BERÜHMT. Ist jemand berühmt, so ist es überflüssig, auf diese Tatsache hinzuweisen, denn wenn er es nicht ist, dann ist es eine Lüge. Das Wort wird innerhalb der BBC nicht verwendet.' Gib's ihnen, Schotte.

Back to top

Soupy Twist


Member

Posted Sun May 4th, 2008 4:27pm Post subject: Translating Fry
Gerti, I've now found time to examine and admire your translation and give it its well-deserved praise. What I like most is the linguistic elegance you keep up throughout the text, whereas I tend to slip into more colloquial expressions from time to time. I don't see that we differ in context, so let me emphazise a few things I like especially:

Das Phem ƒ sei das Gen der Prominenz, die Grundeinheit von Ruhm; seine einzige Funktion besteht darin, den als Wirt dienenden Massen m eine gegebene berühmte Persönlichkeit x gewahr zu machen, und sich auf diese Weise zu replizieren.
*applause* I couldn't think of a more eloquent way to translate this convoluted paragraph.
- Denn ein Phem wird durch Sprache weiter verbreitet, oder zutreffender, durch schriftliche oder verbale Äußerung. :D
- sein grotesk schauderhaftes Sakra-Buch: (I refrained from using the German title, yet I've only now realised what wonderful puns can be made of it - Sakra!)
- dass er ein erzürntes Memo auf seine Belegschaft losjagte
and much more.

I've just noticed a little mistake in my translation in re: the Leonardo-Book: it should read "der namhafte" twice. See, I don't even know what the German translation makes of "renowned". Is it "der renommierte", as you suggested?

Back to top

Soupy Twist


Member

Posted Sat May 24th, 2008 7:17pm Post subject: Translating Fry
Gerti, I again owe you an apology for not responding - I'm not well and things are exceedingly difficult at the moment. But I'll try and translate the next piece from our blog - say, till "Stop it at once." - by the end of June.

Back to top

Phlizz


Member

Posted Sat May 24th, 2008 10:53pm Post subject: Translating Fry
Just as a side question, if I understand correctly, Stephen Fry speaks (at least) several languages with some degree of proficiency. Surely he would have read through the texts and perhaps even been asked to approve them if the translator wanted to do a good job of it? Just a thought. Besides, of course it is always better to read a text in the original language but we can't all understand every language well enough to read in it so in that case, I think a good translation is better than not being able to read it at all.

Back to top